Fachbereich Deutsch

"Nehmt Eure Sprache ernst! Wer es hier nicht zu dem Gefühl einer heiligen Pflicht bringt, in dem ist nicht einmal der Keim für eine höhere Bildung vorhanden."

Friedrich Nietzsche: Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Zweiter Vortrag, gehalten am 6. Februar 1872

Vorbei die Zeiten, wo alle Schüler „Das Lied von der Glocke“ auswendig konnten. Wo früher „Deutsch“ draufstand, war in der Regel Orthografie, Grammatik, Aufsatzlehre, Sprach- und Literaturgeschichte sowie intensive Lektüre drin.

Heute hat sich das Schulfach kulturwissenschaftlich aufgeputzt und bietet neben den traditionellen Gegenständen auch die Beschäftigung mit Jugend- und Triviallitratur, mit der Analyse von Filmen und Werbeanzeigen und –spots, mit szenischem Interpretieren, Standbildern und allerlei Formen des produktions- bzw. handlungsorientierten Unterrichts. Auswendig gelernt wird nur noch selten.

Die ADO hat in den letzten Jahren von den zahlreichen Referendaren profitiert, die die gestandenen Kollegen mit methodisch ambitioniertem Unterricht bekanntgemacht haben: Lernen an Stationen, selbstorganisiertes Lernen, Stundengestaltungen. Die älteren Kollegen und Kolleginnen haben den Ruf vernommen: vom Lehrer zum Coach.

Das oben angeführte Wort Nietzsches klingt in den Ohren moderner Menschen sicher etwas pathetisch, aber die Bedeutung der Sprache als Mittel der Wissensweitergabe ist auch heute kaum zu überschätzen! Mögen Faktenbeschaffung und Kenntniserwerb auch bei individuell geringerer Sprachbildung möglich sein, das tiefere Aufnehmen fremder Gedanken und deren adressatenbezogene Vermittlung bedürfen einer umfassenden Sprachbeherrschung, die ohne Mühen nicht zu haben und die ohne beständige Kultivierung nicht zu erhalten ist. Es geht um den alten Grundsatz der „cura linguae“, der Sprachpflege also.

Unter dem Begriff Bildungssprache versteht man  die Sprachform, in der man in der Öffentlichkeit Angelegenheiten öffentlichen Interesses diskutiert.  Bildungssprache ist für  den  Philosophen  Habermas das Instrument,  mit dem Orientierungswissen gewonnen, verbreitet und  kritisiert werden kann. In Abgrenzung zur Umgangs- und Alltagssprache eignet ihr ein hohes Maß an Schriftlichkeit. Mit ihr lassen sich komplexe und abstrakte Sachverhalte ausdrücken. Wer im Gebrauch der Bildungssprache sicher ist, wird seine Reflexionsfähigkeit steigern und Selbstbewusstsein entwickeln.

Zu Zeiten unseres Namenpatrons Dürer war der große Neuschöpfer der deutschen Sprache Martin Luther, in den Jahrhunderten danach kamen zahlreiche namhafte Stilisten dazu, die die Wirkung des Deutschen als Literatur- und Bildungssprache stärkten:  Lessing, Lichtenberg, von Kleist, Heine, Schopenhauer, Nietzsche, Kafka, Kraus, Tucholsky, Benjamin und einige andere.  Vorbildlich waren all diese Autoren insofern, als sie sich bemühten, ihre Gedanken gestochen scharf darzulegen und damit ihre Absichten und Ansichten dem Leser klar vor Augen zu stellen.

In fortschreitendem Maße muss sich die Schulsprache, die auf der Lehrer-Schüler-Kommunikation beruht, an der Bildungssprache und damit an der geschriebenen Sprache orientieren.  Dem Deutschunterricht am Gymnasium fällt hier eine wichtige Aufgabe zu.

Gymnasialer Unterricht bezweckt jedoch  in allen Fächern die Vermittlung einer sprachlichen Kompetenz, die für die Medienwelt und für Bildungsinstitutionen, aber auch für die Teilnahme am kulturellen Leben der Gesellschaft notwendig ist.

Aus den vorangegangenen Überlegungen wird klar, warum die  ADO die altersgerechte, schrittweise Vermittlung der Bildungssprache in ihr Leitbild aufgenommen hat

Der Fachbereich Deutsch an der ADO verfügt für die Sek I über ein fachspezifisches Curriculum, in dem ein Rahmen für die Unterrichtsarbeit festgelegt ist, der aber noch Raum für individuelle Ideen der einzelnen Lehrer lässt.

Eine Übersicht über Unterrichtsaktivitäten im Fach Deutsch finden Sie hier!