„Wie hätte ich mich verhalten?“

verhalten3Der Bundesbeauftragte Roland Jahn im Zeitzeugenspräch über die Freiheit selbst zu entscheiden
Es gab einen Augenblick nach ungefähr zwei Dritteln der gut besuchten Veranstaltung am 12.10.18 in der Aula der ADO, in dem der Zeitzeuge Roland Jahn das, was er als Botschaft den Schülerinnen und Schülern mitgegeben hat, auch praktisch anwenden konnte: Er pfiff den Gastgeber, der gerne eine aktives Gespräch zwischen den gut 80 Schülerinnen und Schülerin im Publikum (darunter ca. 15 Schülerinnen und Schüler der Oscar-Tietz-Schule vom Springpfuhl) anbahnen wollte, zurück und appellierte an das Publikum:“ Es ist Eure Freiheit auch keine Fragen zu stellen!“.

Diese Begebenheit mag banal klingen, war im Kontext des Zeitzeugengesprächs, das der Enrichment-Kurs „Aufmucken oder Anpassen“ der Klassen 9a/10a organisiert, vorbereitet und durchgeführt hatte, von Bedeutung: Roland Jahn machte eindrucksvoll klar, dass es aus seiner Sicht entscheidend wahrzunehmen, dass man (immer) eine Entscheidung treffen kann, dann aber auch zu dieser stehen sollte. Schon in seiner bewegenden Biografie „Wir Angepassten“, die Grundlage für den Kurs war, machte er deutlich, was es heißt, „zu seiner ganzen Biografie“ auch zu stehen. Nachdem die Schülerinnen und Schüler des Kurses Roland Jahn anhand von vier Stories aus dessen Leben zwischen 1972 und 1983 in der DDR vorgestellt und diese als „Anpassen oder Aufmucken“ eingeordnet hatten, kam es zu einer lebhaften Diskussion zwischen ihm und dem Kurs. Dabei machte er eindrucksvoll klar, dass auch er nicht als Oppositioneller in der DDR geboren, sondern sein Werdegang eben von einzelnen Entscheidungen geprägt worden war.
Sein Plädoyer, sich zunächst in die Rolle des Gegenübers hineinzuversetzen, anstatt denselben und dessen Handlungen zu (ver-) beurteilen konnte auch in dem anschließenden, fast einstündigen persönlichen Austausch noch vertieft und auf heutige, aktuelle Probleme angewendet werden: Denn uns alle interessierte, wie die historische Erfahrung, die Roland Jahn weitergeben kann, uns aktuell  z. B. im Umgang mit den verfassungsfeindlichen Strömungen in der Gesellschaft oder mit dem Aufruf an die Schülerinnen und Schüler die Berliner Lehrer für kritische Äußerungen auf einer Parteiplattform zu denunzieren, helfen kann.


Diese Veranstaltung und der Enrichment-Kurs wäre nicht ohne die ideelle und personelle Unterstützung des Beauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin zu Stande gekommen. Daher danken wir an dieser Stelle herzlich Frau Elena Demke für Ihre Unterstützung. Gleiches gilt der Bildungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), im Speziellen Herrn Dr. Janowitz und Frau Altendorf, die die Schülerinnen und Schüler vorbereitet und Roland Jahn für diese Veranstaltung gewinnen konnten.

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